Familienforschung
Sachsen - Brandenburg - Schlesien

Die Geschichte der
Herrschaft Kolzig in Niederschlesien

Berufsgenealoge Dirk Habermann

Landkarten aus dem
Verlag Schreiber - Leipzig um 1730









Einleitung
Herrschaft
Kirchen
Kolzig
Lipke
Grünwald
Jeschane
Karsch Vorwerk
Neues Haus
Glashütte
Otterstädt
Schlabrendorf
Neuvorwerk
Kontakt
Dame 15. Jahrhundert
Landsknecht 16. Jahrhundert

Kirchen


Den vielleicht ältesten Hinweis auf eine geistliche Niederlassung in Kolzig liefern Elfriede Ardelt und Johannes Otto in ihrem Buch 'Kolzig'. So soll die herrschaftliche Brennerei ehemals ein Gebäude eines Klosters, vermutlich der Zisterzienser, gewesen sein. Dazu gehörte ein Weinberg auf dem Estherleinberg, auf welchem sich eine Ruine eines Weinhauses befunden haben soll. Weitere bestätigende Hinweise konnten bislang nicht gefunden werden. Die Zisterziensermönche sind bekannt für die Kultivierung sumpfiger waldreicher Gebiete, so wie Kolzig eins gewesen ist.

Über das Alter der katholischen Kirche in Kolzig lässt es sich nur spekulieren. Waren tatsächlich Zisterzienser vor Ort, könnte die Gründung dieser Kirche durch diese erfolgt sein. Laut dem Buch 'Unruhstadt und Karge' von Stefan Petriuk soll die katholische Kirche von Kolzig bereits im 13. Jahrhundert existiert haben. Allerdings ist Kolzig unter den Pfarrorten in der Urkunde von Avignon vom 14.1.1376 nicht verzeichnet. Der im Text genannte Ort 'Kalczk' bezieht sich nicht auf Kolzig sondern auf den Ort Kalzig im Weichbild Schwiebus.

Schon bald nach ihrer Entstehung dürfte die Lutherische Lehre auch in Kolzig Einzug gehalten haben. Im benachbarten Schlawa wurde die neue Lehre um 1524 durch Hans von Rechenberg, einem Verwandten der Familie von Kottwitz auf Kolzig, eingeführt. Dieser war ein Freund Martin Luthers. Der älteste bekannte Pfarrer von Kolzig war Michael Scultetus aus Lawaldau. Er versah seinen Dienst von 1582 bis 1606. Ihm folgten 1606 Bartholomaeus Rösler aus Glogau und von 1653 bis 1654 Michael Rosenberg aus Milzig. Die lutherischen Pfarrer der Hauptkirche Kolzig bedienten auch weit über 100 Jahre die Filialkirche in Kontopp.

Zu dieser Zeit wurde die vom böhmischen Kernland ausgehende Gegenreformation immer stärker. Am 16.1.1654 zog die sogenannte heilige Kommmision in Kolzig ein. Die evangelische Kirche wurde geschlossen und der Pfarrer Michael Rosenberg war zum Fortgang gezwungen. Die Kirche gelangte wieder in katholische Hand. Von der Zeit an mussten die evangelischen Bewohner Kolzigs weite Wege auf sich nehmen, um die Gottesdienste in den Kirchen von Karge und Wollstein im benachbarten Polen zu besuchen.

Soweit die bekannte Version von dem Ende des evangelischen Lebens auf dem Gebiet der Herrschaft Kolzig. Doch es gibt Belege dafür, dass sich noch 1659 ein evangelischer Pfarrer in Kolzig befunden hat und der Freiherr Johann Christoph von Kittlitz 1662 oder zuvor eine evangelische Kirche in Grünwald errichten ließ, wo derselbe noch 1664 den evangelischen Pfarrer Michael Rosenberg hielt und samt Weib und Kind eine Zuflucht gab.

Die ursprünglich katholische, später evangelische Kirche von Kolzig, muss mindestens seit 1719 wieder mit einem katholischem Pfarrer besetzt gewesen sein, da ab dem Jahr Kirchenbücher vorhanden waren. Zum katholischen Kirchspiel Kolzig gehörten ursprünglich Kolzig, Lipke, Grünwald, Jeschane, Karsch Vorwerk und seit ihrer Gründung noch die Orte Glashütte, Otterstädt, Schlabrendorf und Neuvorwerk.

Bei dem Einfall der Kosaken in Kolzig am 6.11.1759 brannte auch die katholische Kirche ab. Der katholische Pfarrer Gottfried Bernd flüchtete mit seiner katholischen Gemeinde nach Schussenze in Polen. Von dort kehrten sie erst 1763 wieder zurück. Die abgebrannte Kirche wurde im Jahre 1764 massiv neu erbaut. Weitere Pfarrer waren 1795 Franz August Peucker, dann Kollibay, Schulz, Batzdorff, ab September 1922 Reinhold Thiel und ab 1942 Felix Gallisch.

Für die Evangelischen brachte die preußische Übernahme Schlesiens im Jahre 1741 eine Besserung. Ab 1742 hielten sich die evangelischen Kolziger zu dem im selben Jahr errichteten evangelischen Bethaus in Kontopp. Ab 1766 wurde der Gottesdienst von Samuel Friedrich Schreiber auf einem Schüttboden im Schloss Kolzig gehalten. Ihm folgte 1774 Johann Kaspar Deust. Am 23.9.1775 wurde die neu errichtete evangelische Kirche eröffnet. Weitere Prediger waren ab 1790 Karl Gottlob Blümel, 1801 bis 1833 Karl Gottlob Kliche, ab 1855 Aumann, ab 1891 Herbrich, ab 1928 Guthmann und ab 29.11.1936 Joachim Hauck.

Zur evangelischen Kirche Kolzig gehörten neben Kolzig, Lipke, Grünwald, Jeschane, Karsch Vorwerk, Glashütte, Otterstädt, Schlabrendorf und Neuvorwerk bis zur Eröffnung der evangelischen Kirche im polnischen Schwenten im Jahre 1801 noch die polnischen Orte Kreutz, Ruden und Teile von Schwenten. Ebenso gehörten die evangelischen Bewohner der polnischen Orte Schussenze und Droniki bis zum Jahr 1945 zur evangelischen Kirche Kolzig.


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