Familienforschung
Sachsen - Brandenburg - Schlesien

Die Geschichte der
Herrschaft Kolzig in Niederschlesien

Berufsgenealoge Dirk Habermann

Landkarten aus dem
Verlag Schreiber - Leipzig um 1730









Einleitung
Herrschaft
Kirchen
Kolzig
Lipke
Grünwald
Jeschane
Karsch Vorwerk
Glashütte
Schlabrendorf
Otterstädt
Neuvorwerk
Seetannhaus
Kontakt


Grünwald


Der älteste Hinweis auf die Anfänge dieser Siedlung ist wohl in dem bereits erwähnten Grenzrezess von 1494 zu sehen. Damals gab es den Ortsnamen Grünwald vielleicht noch nicht. Es ist aber die Rede von einer zu Kolzig gehörigen Mühle 'molendinum', um 1528 'Kolsky mlyn', also 'Kolziger Mühle' genannt. Dabei handelt es sich vermutlich um die in Grünwald befindliche Wassermühle, deren wuchtiges Fundament ein sehr hohes Alter haben soll und welches bis in die Faule Obra reicht.

Die älteste gesicherte Nachricht über Grünwald findet sich als 'Grunwald' auf der Erstausgabe der Landkarte 'Ducatus Silesiae Glogani' des Jonas Scultetus um das Jahr 1630. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass der Ort um einiges älter ist. Weitere Schreibweisen waren 1665 'Grünwaldt', 1670 'Grünwald', 1687 'Grünwalt', 1753 'Krümwald' und 1755 'Krunwald'. Das Wort 'Grün' von mittelhochdeutsch 'grüene' lässt eine Rodung bzw. Rodesiedlung vermuten.

Die Namen der ältesten überlieferten Familien sind 1656 Kubisch, 1661 Woitke, 1664 Hoffmann, Villborn, 1665 Albieß, Girge, Reil, Tzschirm, 1667 Miltscher, Mutschelnitz, 1669 Hoff, Kunert, Reiser, Schönäch und Schuster. Diese Namen sind aufgrund der Kolziger Hexenprozesse bekannt, welche 1664 ihren Anfang nahmen. Unter den ersten Opfern, welche vor der ersten aktenkundigen Notiz von 1664 in Kolzig verbrannt wurden, befanden sich auch die Ehefrau Kubisch sowie die Pfarrhoffmannin, beide aus Grünwald. 1670 wurden die beiden letzten Opfer der Hexenverfolgung, die Miltscherin und die Reiserin aus Grünwald hingerichtet. Von den Kolziger Ortschaften war Grünwald am meisten von den Hexenverfolgungen betroffen.

Weitere in Grünwald lebende Familien waren 1670 Laube und 1673 Günzel. Im Jahre 1674 wird der Hammermeister Riemer genannt. Somit muss der Eisenhammer in Grünwald zu dieser Zeit bereits existiert haben. Vermutlich aber wurde am Ort schon lange zuvor Eisen verarbeitet. Dieses wurde aus Raseneisenstein gewonnen, welches in der Gegend vorkam. Der Ortsname Ruden am anderen Ende des Jeschaner Sees zeugt von Eisenvorkommen. Der Eisenhammer ging später ein. Weitere Familien waren 1676 Senf, 1678 Woyt und 1680 Gabriel.

Das Decemregister vom Jahre 1687 nennt für Grünwald einen Gerichtsscholzen, die Gärtner Hoffman oder Schönaich, Woyte, Laube, Woyte und Rohly, die Kleingärtner Woyte, Nowacke und Hoffman sowie die Kutschner Laube, Hoffman oder Melzin, Pfarrmichel und Hoffman oder Pfarhoffman. Im Visitationsbericht von 1687/88 gab es in Grünwald 6 Gärtner und einen Müller. 1696 pachtet der Scholz Senf den Schlawischen Zoll. Vielleicht ist dies ein Hinweis darauf, dass die alte Handelsstraße nach Polen über Grünwald und Jeschane führte. Ein weiterer Grünwalder Name war 1750 Kaschke.

Im Jahre 1753 gab es in Grünwald nach der Kriegs-Carte von Wrede 23 Gärtner oder Häusler. Damit hat sich Grünwald seit der Visitation in den Jahren 1687/88 am besten von allen Kolziger Ortschaften entwickelt. Im Verlaufe des Schlesischen Krieges flüchteten 1759 mehrere Grünwälder Familien nach Schussenze, Tepperbuden und scheinbar sogar bis nach Tirschtiegel in Polen. Weitere Grünwalder Namen waren 1760 Woreiske, 1761 Kriger und Tschach.

Gegen 1761 erwarb der dritte von vier Brüdern Habermann aus Jeschane eine Gärtnerstelle in Grünwald. Damit war die Familie nun erstmals auch in Grünwald ansässig. Es gingen einige Gerichtsmänner und Vögte aus dieser Linie hervor. Gegen 1766 erwarb der jüngste der vier Brüder Habermann aus Jeschane eine Häuslerstelle in Grünwald. Weitere Grünwalder Namen waren 1768 Schilf, 1769 Köbe, Pflüger, 1779 Gregor, 1780 Doil, Dyhr, Kliem, Roil, Weis, Woithe, Zimpel, 1781 Weyrauch, 1782 Rößler, 1785 Klix, 1787 Scheibler und Woit.

Im Jahre 1787 gab es in Grünwald nach Zimmermann einen Kretscham, eine Wassermühle, 7 Gärtner, 27 Häusler und 5 andere Häuser mit zusammen 41 Feuerstellen und 261 Bewohnern. Ein weiterer Grünwalder Name war 1798 Müller. Im Jahre 1799 entstand in Grünwald ein neuer Zweig der Familie Habermann. Durch Herauslösen einer Parzelle aus der alten Gärtnerstelle Habermann entstand die Freihäuslerstelle Habermann. Weitere Grünwalder Namen waren 1800 Knäbel, 1811 Ludwig, 1822 Kuch, 1824 Riedel, 1827 Lehmann und Schmeiß.

Im Jahre 1827 erwarb ein Habermann aus der Freihäuslerlinie in Grünwald eine weitere Häuslerstelle, konkret eine Leerhäuslerstelle in Grünwald, gab diese aber scheinbar bald darauf durch einen Tausch gegen die Freihäuslerstelle Habermann vermutlich an seinen Bruder ab. Diese Häuslerstelle blieb bis zur Vertreibung im Besitz der Familie Habermann. Weitere Grünwalder Familien waren 1828 Baumgardt, 1830 Klaschwitz, 1834 Schach, Schmeis, 1837 Bartsch, 1840 Schulz, 1842 Gross, Werner, 1846 Gallas, 1851 Hirschmann, 1852 Jaetsch, Karowsky, 1853 Klar, Mühl, Noack, Rösler und 1854 Boehm.

Gegen 1855 gelangte ein Sohn der Kutschnerfamilie Habermann in Jeschane entweder durch Kauf oder durch Heirat mit einer Woit an eine Kutschnerstelle in Grünwald, welche aber bereits eine Generation später wieder an eine andere Familie ging. Weitere Grünwalder Namen waren 1855 Scheibel und 1864 Baier. Gegen 1866 ging die Gärtnerstelle Habermann durch Heirat in die Familie Mustroph über. Eine weitere Grünwalder Familien war 1868 Peukert.

Gegen 1870 gelangte ein weiterer Sohn der Kutschnerfamilie Habermann in Jeschane durch Heirat mit einer Doil an eine Kutschnerstelle in Grünwald. Die Kutschnerstelle verblieb bis zur Vertreibung im Besitz der Familie. Weitere Grünwalder Namen waren 1875 Hepner, 1881 Masiske, 1882 Nawoitnik, 1886 Großmann, 1887 Fabiunke, Fürderer, Märkisch, 1888 Güttner, 1889 Lüdke, Rüster, 1890 Pietsch, 1893 Dohnt, 1898 Bederke, 1899 Graetz, 1902 Mader, 1909 Abraham, Küllmann, Mertz, Radam, 1912 Jung, 1913 Weißhaupt, 1914 Brychzy, Karoske, 1924 Adam, Brach, Daniel, Diehr, Ende, Groß, Heppner, Heyduck, Jankowski, Kasimir, Lisewitz, Merz, Mogilski, Päch, Pallutz, Reh, Ritzke, Schipschak, Tietze, Waligorski, Zimmer und 1927 Seiler.

Gegen 1931 gelangte ein Sohn aus der Kutschnerfamilie Habermann in Grünwald an eine Häuslerstelle in Grünwald, welche bis zur Vertreibung im Besitz der Familie verblieb. Weitere Grünwalder Namen waren 1933 Bresch, Deter, Fengler, Fitze, Fitzke, Grätz, Hentschel, Höppner, Konzack, Kublik, Lipke, Lisiewicz, Lucht, Ohlemann, Paech, Paulus, Renner, Srypozak, Weiß, Wittke, Wyrwa, Zurheide, 1937 Brauer, Gajewski, Kasemir, Kublick, Luther, Machnitzke, Noak, Nolting, Ostdrowske, Schöppschack, Teske, Walligorski und Westphal.




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